Pressestimmen

 

Lebensbeichte in Moll
Stani entführt erzählend und singend ins Dasein des modernen Melancholikers

von dietmar gröbing

NW-SchlussSalzkotten-Scharmede. Es ist ein schmaler Grat zwischen Frohsinn und Niedergeschlagenheit, zwischen Lachen und Weinen, Freude und Trauer. Stani weiß um jenen Sachverhalt und macht ihn zum Gegenstand seines neuen Programms, das am Wochenende Premiere feierte.

Dabei kommt "Am Ende ist Schluss" weder als Abschiedsvorstellung noch als künstlerischer Schwanengesang daher. Dennoch stellt die Show eine Art Zäsur im künstlerischen Schaffen des Paderborner Kabarettisten dar. Der allerdings vermag einmal mehr als kleinkünstlerischer Best Ager zu überzeugen.

Sechs Jahrzehnte Lebenserfahrung stecken im brandneuen Bühnenprogramm Stanis, der seiner Wortkunst erstmals die Sangeskunst zur Seite stellt. Begleitet von Pianospieler Eckhard Wiemann mutiert Stani zum Chansonnier, der mit Träne im Knopfloch von Melancholie und Depression, aber auch vom Aufstehen und Zurückkommen singt.

Schwer zu sagen, ob die in Moll gehaltene Lebensbeichte ein Chansonprogramm mit Wortbeiträgen oder ein Wortprogramm mit Chansonanteilen darstellt. Eines jedoch steht fest: "Es ist eher wenig lustig", wie Stani vorwegschickt, um einer falschen Erwartungshaltung vorzubeugen.

Aber ist Schwermut nicht mindestens genauso werthaltig wie Komik? Nach Ansicht der Vorstellung ist die Frage ohne Einschränkung zu bejahen, brechen Stani und Wiemann doch eine Lanze für die Melancholie. Folgerichtig erzählt das Duo "aus dem Leben des Melancholisten an sich".

Der wird nicht "als solcher geboren, sondern dazu gemacht". Von den Umständen, die ihn vaterlos aufwachsen lassen und ein schwieriges Verhältnis zu Frauen generieren. "Uschi, die erste Liebe" lässt ihn sitzen. Die Zweite natürlich auch, sucht trotz eines flehenden "Lass mich nicht allein" das Weite. Und dann wird dem Protagonisten klar: "Es soll sich der Mensch nicht mit der Liebe abgeben."

Oder doch? Zarah Leanders "Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehen" spendet neue Hoffnung, die sich in einem 500 Euro teuren Energiekristallstab manifestiert. Der kann zwar "Dosenfutter in eine vollwertige Mahlzeit verwandeln", aber den "Melancholisten" nicht von seiner Pein erlösen.

Also begibt er sich in die freie Natur, wo die Sonne lacht, obwohl er im tiefsten Innern den Regen herbeisehnt, ist selbiger doch "das Äquivalent zur Traurigkeit". Wenn es nicht regnet, muss sich der Mensch jedoch auf andere Weise befeuchten - zumindest seine Kehle.

Wenig später wird die nächste Kneipe angesteuert, wo sich der Antiheld "an den Tresen setzt und volllaufen lässt". Sich die Dinge Schönsaufen hat noch immer funktioniert. Funktioniert auch diesmal und senkt sogar die Hemmschwelle bei der Partnerfindung: "Nimm mich. Ich bin voll."

"Es gibt autobiografische Aspekte, aber die sind für Außenstehende nicht erkennbar", sagt Stani über sein neues Programm. Das maßt sich an, relativ unkommerziell daher zu kommen, gewinnt aber gerade durch seine besinnliche Note an Gehalt. Das Anderssein war schon immer eine Herausforderung. Nicht nur für den, der anders ist, sondern auch für dessen Umwelt. Aber die geht ohnehin selten ins Kabarett.

 

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15 - Paderborn (Kreis), Montag 28. April 2014