Gedichte

 

Als das Grönlalandeis schmilztete

Als das Grönlalandeis schmilztete,
war die Gramamatik sehr verwirriert.
Da stimimmte doch wasas nicht.
Langange dachtete sie nach,
was falalsch sein kononnte.
Aber sie kamam und kamam nicht draurauf.
Schliließlich schautete sie im Lexixikonon nach.
Da filiel es ihr wie Schupuppen von den Augegen.
Das hisieß gar nicht ‚schmilztete‘.
Das hisieß ‚schmololz‘.

 

Reh 30

Ein Reh stand nachts auf der A 30
Dass sie dort gerne stehen, weiß ich
Es schaut verträumt gen Amsterdam
Dieweil von links ein Laster kam
Erwischt das Reh mit voller Wucht
Der Fahrer hat noch laut geflucht
Was man danach sah von dem Reh
Reicht vielleicht grad noch für Püree

 

Sisyphos

Als Sisyphos mit dem Stein
Den Gipfel erreichte
Sah er hinab ins Tal
Und freute sich
Dass dort noch viele Steine lagen
Die hinaufgerollt werden wollten
Der Stein aber wusste
Dass ganz oben
Nur Platz für einen ist

 

Dir geben

Dir geben, was du gern begehrst
Sehr zart sein, weil du dich nicht wehrst
Voll Lust die Fesseln aufzusprengen
Die dich in deinem Sein beengen
Und mit den eignen gleiches wagen
Dir dich betör’nde Dinge sagen
Um eins zu werden ohne Zwang
Von mir aus tage- nächtelang

 

Armes Deutschland

Mein Deutschland ist so arm
Dass die Penner im Park
Ihre Pfandflaschen
Liegen lassen
Müssen

 

Das heilige Reh

Das heilige Reh verrottet im Wald
Es starb dort im Winter - wie bitter, wie kalt
Jetzt modert es dort schon seit mehreren Wochen
Bald finden wir nur noch des Tieres Knochen
Was wir aus dem Reh nun, dem toten im Wald?
Rehliquien halt

 

Das unscheue Reh

Dort links der Allee
Da steht dieses Reh
Und äst frisches Gras
Das macht ihm wohl Spaß
Und es ist gar nicht scheu
Doch das ist nicht neu
Denn schon letztes Jahr
Ziemlich genau um diese Uhrzeit stand es schon einmal da

 

 

Endlösung

Ja, das Glück, es ist vergänglich
Manche suchens lebenslänglich
Andre geben auf
Ich sauf

 

 

Reform

 

Die

neue

Rechtsschreibung

kann

ich

gut

 

 

Schöne Sehnsucht

Wenn Sehnsucht sich mit Sehnsucht paart
Dabei des Andren Wünsche wahrt
Wenn Blicke sich in sich verfangen
Und Augen strahlen und nicht bangen
Wenn Körper engumschlungen stehen
Und Stunden wie im Flug vergehen
Wenn alles rundherum verschwimmt
Ein Kuss dir deinen Atem nimmt
Das ist dann dieser Glücksmoment
Nachdem sich alle Liebe sehnt

 

Der geplatzte Traum

Er wollte Kanzler werden
Auf Erden
Rüttelte am Zaun
Und alle Wählerherden
Werden
Vorsorglich ab wohl haun
So würds geschehn
Im Traum
Jedoch bei Licht besehn
Hats trotzdem
HIngehaun

 

 

 

Kurzlyrik aus dem Zyklus ”vierzeil mir”

 

WM

Die Welt ist jetzt zu Gast bei Freunden
Die Welt ist da, säuft unser Bier
Vier Wochen fällt das Land nicht trochen
Den fleiß´gen Brauern danken wir

 

Mond und See

Heute leuchtet sehr helle der Mond
Über den Wipfeln des Waldes er thront
Und drüben am Weiher trinket ein Reh
Ich will ihm schnell sagen, daß ich es seh
 

 

Ach Mutter

Ach Mutter, die Du mich gebarst
Und gleich darauf mir Mutter warst
Und stets vor Unbill mich bewahrst
Sag mir, ob Du die Butter sahst
 

 

Das Klopapier

Ob Danke oder Pro Natur
Ob feucht, geblühmt, dreilagig weiß
Das Klopapier, es trennt doch nur
Die Finger von der Scheiß
 

 

Liboriberg

Liboriberg mit Karussell
Tust Kinderherz erfreun
Der Vater steht am Bierrondell
Verläßt es nur zum spein
 

 

Der Borchener Wald
(ein Heimatgedicht)

Stille ist der Wald bei Borchen
Sagt der Förster mir verschmitzt
Wenn du deine Ohren spitzt
Kannst du bis nach Alfen horchen
 

 

Mallorca

Steht nach Urlaub uns der Sinn
Fliegen wir nach Palma hin
Und zum Freunde heißt es dann
Wir sehen uns bei Ballermann
 

 

Hasenpo

Gestern aß ich Hasenpo
Ich geb zu er schmeckte so
Wie, als ob man Rasen kaut
Den schon jemand hat verdaut
 

 

Sex

Ich bin heut von Sex besessen
Leider hab ich bloß vergessen
Was man in dem Fall so tut
Vielleicht frage ich mal Ruth
 

 

Holunder

Unter dem Holunderbaum
Sah ich den Pollunder kaum
Doch wie sollte ich das auch
Ist Holunder doch ein Strauch
 

 

Im Mai

Im Maien wird es Grün
Und viele Blumen blühn
Die andern blühn im Sommer
Und das freut unser Oma

 

 

 

 

Gedichte aus dem Bauch und aus dem Kopf

 

Das Leid der Frauen

Wie viele Frauen
wollen erobert werden
und vergessen dabei,
daß erfolgreiche Eroberer
zu Herrschern werden.
 

 

Warten

Jedes Geräusch
Nicht eindeutig
Bekanntem zuzuordnen
Aufsaugen
Bewerten
Dem nicht Erwarteten
Zurückgeben
Und Warten

 

 

Gedichte vom Räupling

 

Buddhistische Metamorphose ...

Ein Räupling saß auf einem Stein
Und blickte in die Welt hinein
Da kam der Fuß vom Wanderer
Der Räupling ward ein anderer

 

... und Christliche Alternative

Ein Räupling kam vor Gott und sagte
Als eben dieser ihn nett fragte
Warum er denn kein Schmetterling
Weil es mir anders besser ging
 

 

 

Nathan der Kleine
(aus stanis 2. Soloprogramm “Casting-Showdown der Vortragskünste”)

An grauen Tagen lebt ein Kind im Westen
Das einen Lolli rund und bunt
Und schön aus lieber Hand besaß
Der Lolli war oval,
Nach dem auch andre Kinder lechzten
Und hatte die geheime Kraft an sich
Den Menschen bei dem Kind beliebt zu machen,
Der ihn ihm gab in dieser Dings, äh, Dings, äh, Zuversicht.
Was Wunder, dass das Kind im Westen
Den Lolli nie aus seinem Zimmer lies.

Nun war es, dass das Kind drei Väter hatte.
Das klingt zwar blöd, doch echt, es waren drei.
Der erste wurd durch Zeugung gleich zum Vater.
Doch machen Chromosomen nicht beliebt
Schon automatisch jeden, der sie gibt.
Der zweite half dem Kind beim Schaukeln
Und auch beim Basteln und er konnte gaukeln,
Was kleine Kinder nie nicht hat betrübt.
Der dritte Mann war grad der Freund der Mutter,
Als die Geschicht, die ich erzähl, passiert.

Der Fall, nein, das Problem war nämlich so:
Der Vater, jener mit den Chromosomen
Und dadurch Vater, dass er diese gab
Und Geld, hätt Liebe gerne auch gegeben
Dem Kind. Das aber stört die Mutter arg.
So ähnlich ging’s dem zweiten, jenem Gaukler,
Dem sowohl Schaukeln als auch Basteln lag.
Er durft das Kind seit jener Stund nicht sehen,
Da ihn die Mutter aus dem Hause bat,
Um mit dem neuen Freund das Bett zu teilen.

So sannen beide, Chromosom und Gaukler,
Nach einem Weg, des Kindes Gunst zu heben
Für sie, die es so selten nur noch sahn.
Und wussten beide aber von dem Lolli,
Von seiner Kraft, und auch, woher er kam.
Und kauften beide zum Geburtstag ihm,
Dem Kind, nen Lolli, jeder, beide gleich
Dem oben jetzt schon oft erwähnten Lolli
An Farbe, Form und Preis und an Geschmack
Und trachteten, dem Kinde ihn zu schenken.

Die Mutter aber roch den Braten schon
Und gab nun ihrerseits dem Freunde auf,
Dem Kinde zum Geburtstag einen Lolli
Zu kaufen, wie die andern beiden zwei.
Der Freund, der anfangs sich dem Plane sperrt,
Sagt schließlich zu, nen Lolli zu besorgen,
Verbindet’s aber mit der Dings, der Forderung:
“Dass uns das Blage dann im Bett nicht stört.”

So kam es, daß das Kind nun zur Geburt,
Nein, zum Geburtstag nun der Lollis drei
Von seinen Vätern zum Geschenk bekam.
Das Kind erkannt den Sinn dieser Geschenke
Sofort und wusste um der Väter Wunsch
Und sann, wie jener Richter bei Herrn Lessing
Nach einem Weg aus der vertrackten Rund
Und gab, nachdem es wohl erwogen hatte,
Den Lollivätern einen weisen Rat:

“Wie wär’s”, sprach es,
“Wenn ihr, die ihr mir gut sein wollt,
An jedem Sonntag Karten spielt?
Ihr könnt beim Skat dann alle trefflich streiten
Und so ein einig Team von Vätern sein.
Ich aber nehme meine Mama mit
Und gehe mit ihr in den nächsten Zoo.
So bin ich dankbar allen meinen Vätern
Und mal allein mit meiner Mama. - So!”
 

 

 

Zum Geburtstag
(aus stanis 2. Soloprogramm “Casting-Showdown der Vortragskünste”)

Kaum zu glauben, aber wahr
Heribert wird heut 60 Jahr.
Verwandte und Freunde freuen sich mit dir
Und feiern heut Abend bei Musik und Bier.
Du bist allseits beliebt und das sollst du auch bleiben,
Hat deine Brille auch diche Scheiben.
Mit deinen Dioptrin siehst du zwar nur noch wenig
Doch unter den Blinden bist du natürlich trotzdem der König.
Auch deine Enkel finden dich klasse.
Für Sie hast du immer Zeit en Masse.
Zum Glück wohnen ja noch alle bei dir,
Zwei Kinder, fünf Enkel und der Hund, das liebe Tier.
Aber auch Tauben züchtest du ja;
Stellst jedes Jahr mindestens ein Siegerpaar.
Doch damit läßt dus genug nicht sein.
Aus Äpfeln kelterst du eigenen Wein.
Den probierten wir gerne in fröhlicher Runde.
Danach war er dann in aller Munde.
Auch Johannisbeeren vergorest du schlauer,
Doch das Ergebnis war leider etwas sauer.
Trotzdem haben wir es runtergespült.
Du hast die Flaschen eben etwas kälter gekühlt.
Ein weiteres Hobby von dir ist das Rauchen,
Wofür wir dich aber überhaupt nicht loben brauchen.
Du solltest dabei auch mal an deine Frau denken;
Trotzdem erleichtert es natürlich allen das Schenken.
Ob Aschenbecher oder Zigarette
Oder ein Frischluftbäumchen von Annette.
Doch fühlt sich deine Rosemarie dadurch nicht besser.
Vielleicht schenken wir ihr nächstes Mal einen Feuerlöscher.
Denn daß du nicht auch noch beim Tanken rauchst,
Liegt daran, daß du für dein Fahrrad kein Benzin brauchst.
Aber jetzt genug mit der Schelte,
Du schickst mich sonst noch raus in die Kälte.
Und das wär ja nicht schön und das tust du auch nicht.
Das verrät mir ja schon dein verschmitztes Gedicht.
Doch am Ende, Heribert, du fast alter Mann
Zeig, was man in diesem Alter noch kann.
Drum sollst du deine Gäste auch nicht länger quälen
Und uns sofort deinen Lieblingswitz erzählen.
Da warten wir nämlich schon alle drauf
Und deshalb höre ich jetzt auch auf.